Praxisklinik Neurochirurgische Gemeinschaftspraxis Offenbach am Main / Hanau / Friedberg

behandlung/behandlung/op_hws.php
  1. Offenbach: 069 - 88 44 11
  2. Hanau: 0 61 81 - 42 89 290
  3. Friedberg: 0 60 31 - 68 99 700
  4. Email schicken

Behandlungserläuterung:
Operationen an der Halswirbelsäule

  1. 1. Die klassische Stabilisierung der Halswirbelsäule von vorne mit Cage
  2. 2. Die Halsbandscheibenprothese
  3. 3. Die Stabilisierung bei einer Instabilität der Halswirbelsäule mit Cage und Platte
  4. 3. Die Entfernung eines Bandscheibenvorfalls von hinten (Foraminotomie nach Frykholm)
1.Die klassische Stabilisierung der Halswirbelsäule von vorne mit Cage

Der Patient erhält eine Vollnarkose und liegt auf dem Rücken. Der Kopf wird vorsichtig in etwas überstrecker Haltung gelagert. Unter seitlicher Röntgendurchleuchtung wird die Stelle des genauen Hautschnittes direkt oberhalb der Operationsstelle ermittelt und angezeichnet.

Nach dem sterilen Abwaschen und Abdecken des Operationsgebietes wird ein circa 3-4 cm langer Hautschnitt von der Mitte des Halses nach rechts im Bereich einer Hautfalte angelegt. In der Tiefe sind die so genannten Halsweichteile wie in mehreren Hüllen eingepackt und liegen aneinander. In der Mitte des Halses befindet sich eine „Hülle“ mit Luft- und Speiseröhre sowie Schilddrüse, seitlich werden mehrere Muskeln sowie die Halsschlagader, die große Halsvene und zwei Nerven umscheidet. Diese beiden Bindegewebsschläuche können dann stumpf, also ohne dass geschnitten werden muss, voneinander getrennt werden, so dass man dann schon auf die vordere Halswirbelsäule schauen kann. Um die geschilderten Weichteile zu schützen und zur Seite zu halten, wird nun ein so genanntes Spekulum eingesetzt.

Mit einer intraoperativen Röntgen-Durchleuchtung wird nochmals die zu operierende Bandscheibe identifiziert und anschließend mit dem Skalpell eröffnet. Das defekte Bandscheibengewebe kann problemlos unter dem Mikroskop soweit entfernt werden, bis der freie Blick durch den Bandscheibenraum hindurch zum Rückenmarks-Kanal besteht. Jegliche Knochenkanten im Wirbelkanal oder in den Austrittslöchern der Nervenwurzeln werden dann mit Hilfe einer diamantbesetzten Hochgeschwindigkeitsfräse abgetragen, vorgefallenes Bandscheibengewebe wird mit einer Faßzange weggezupft. Das Operationsmikroskop gewährleistet zu jedem Zeitpunkt der Operation optimale Einsicht in jeden Winkel des Operationsgebietes.

Sind die Nervenwurzeln und das Rückenmark wieder vollständig entlastet, muss dann der „leere“ Bandscheibenraum ausgefüllt werden. Ansonsten könnten die Wirbelknochen aufeinander sinken und so die austretenden Nervenwurzeln gequetscht werden. Als gängigstes Verfahren wird ein aus Kunststoff (PEEK) oder Titan bestehender Abstandhalter (Cage) in exakter Höhe, Länge und Breite unter Röntgen-Durchleuchtung in den Bandscheibenraum perfekt eingepasst.

Im seitlichen Röntgenbild zeigt sich der vor der Operation noch deutlich höhengeminderte Bandscheibenraum C6/7

Nach der Operation sind die Wirbelkörper wieder im ursprünglichen Abstand zueinander. Gut zu erkennen sind die Metallstifte des Implantates (PEEK-Cage) im Bandscheibenraum.

2. Die Halsbandscheibenprothese

Wie bei der klassischen Stabilisierungs-Operation wird der Pat. bis zum Einbringen des Implantates in gleicher Weise operiert.

Sind die Nervenwurzeln und das Rückenmark vollständig entlastet, wird der Bandscheibenraum für die Einbringung der Prothese vorbereitet.

Zunächst werden die Höhe, Länge und Breite der zukünftigen Prothese ausgemessen. Dann werden für die fixierenden Kiele in der Mitte des Wirbelkörpers Löcher vorgebohrt, welche anschließend mit einem feinen Meißel eröffnet werden. In diese Furchen kann die endgültige Prothese unter Röntgendurchleuchtung problemlos eingesetzt werden kann. Anschließend wird die geringe Aufspreizung des Bandscheibenfaches aufgehoben, so dass die Prothese unter leichtem Druck (pressfit) in ihrer Lage fixiert ist. Die in den Knochen eingeschobenen Kiele verhindern, dass sich die Prothese unter Bewegung lockert oder gar verschiebt.

Wird der Kopf nach vorne gebeugt, erkennt man auf dem linken Röntgenbild ein Aufklappen der Prothese im hinteren Bereich; neigt sich der Patient nach hinten, klappt sie hingegen vorne auf (rechtes Bild).

3. Die Stabilisierung bei einer Instabilität der Halswirbelsäule mit Cage und Platte

Wie bei der klassischen Stabilisierungs-Operation wird der Patient bis zum Einbringen des Implantates in gleicher Weise operiert. Da die Wirbel auf der vor Operation angefertigten Röntgenaufnahme der Halswirbelsäule sich jedoch gegeneinander verschieben, reicht das alleinige Einbringen des Cages zur Stabilisierung nicht aus. Vielmehr besteht die Gefahr, dass in diesem Fall durch das Weiterbestehen der Instabilität das Implantat verrutscht, entweder in den Rückenmarkskanal mit katastrophalen Folgen, oder aber unter die Halsweichteile nach vorne, was zum Beispiel zu massiven Schluckstörungen führen kann. Daher wird zur Fixierung dieses Wirbelsäulenabschnittes mit Überbrückung des Cages vorne an die ober- und unterhalb des Cages gelegenen Wirbel eine Platte angelegt und fest mit den Wirbeln verschraubt. Durch eine leichte Biegung der Platte kann so auch eine von Natur aus vorgesehene „Rundung“ der Halswirbelsäule (Lordose) wieder erreicht werden.

CT Bild und Röntgenbild mit Cage und Platte, Bild 1

Die nach einer Operation angefertigten Kontrollaufnahmen in der Computertomographie sowie im seitlichen Röntgenbild (Topogramm) zur Kontrolle der eingebrachten Schrauben und der Platte auf der Vorderseite der Wirbel C3-C6 sowie der Cages zwischen den Wirbeln.

CT Bild und Röntgenbild mit Cage und Platte, Bild 1

Bei einer Instabilität der Halswirbelsäule in Höhe C6/7 wurde das „Wackeln“ der Wirbel durch das Einbringen eines Schraubcages (PCB-Cage ®) fixiert, aufgrund eines Bandscheibenvorfalls musste die Höhe C5/6 ebenfalls operiert werden, hier wurde ein klassischer PEEK-Cage eingesetzt. Auf dem rechten Röntgenbild ist zu erkennen, dass die Halswirbelsäule nach der Operation wieder ihre gewünschte leicht gebogene Form (Lordose) aufweist.

4. Die Entfernung eines Bandscheibenvorfalls von hinten (Foraminotomie nach Frykholm)

Der Patient erhält eine Vollnarkose und liegt auf dem Bauch. Der Kopf wird vorsichtig nach vorne überbeugt und in dieser Lage fixiert. Unter seitlicher Röntgendurchleuchtung wird die Stelle des genauen Hautschnittes direkt oberhalb der Operationsstelle ermittelt und angezeichnet.

Nach dem sterilen Abwaschen und Abdecken des Operationsgebietes wird ein Hautschnitt über den Dornfortsätzen angelegt. Die Nackenmuskulatur wird dann bis über die seitlichen Wirbelgelenke abgeschoben. Diese liegen wie Dachziegel übereinander. Mit einer Hochgeschwindigkeitsfräse wird der mittig gelegene Anteil des Gelenkes vorsichtig weggefräst, bis der äußere Anteil des Rückenmarksschlauches sowie die entsprechende abgehende Nervenwurzel zu erkennen sind. Nach Abschieben des Venengeflechtes von der Nervenwurzel kann mit einem Häkchen der Bandscheibenvorfall unter der Nervenwurzel hervorgeholt und entfernt werden.

Handelt es sich hingegen um eine knöcherne Einengung des Austrittsloches, muss die Nervenwurzel in ihrem Verlauf von hinten her mit der Hochgeschwindigkeitsfräse freigelegt werden.

Sind die Nervenwurzeln wieder vollständig entlastet, erfolgen die Blutstillung und der Verschluss des Operationsgebietes.


Druckversion
Mehr zu diesem Thema